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Interview mit unserem Vorstandsvorsitzenden Frank Egersdörfer zum Thema Industrie 4.0

Welche Erwartungen können Fertigungsunternehmen in Industrie 4.0 stecken und was ist jetzt zu tun? Wir haben unseren Vorstandvorsitzenden Frank Egersdörfer zu diesem Thema befragt. Herr Egersdörfer, Sie leiten die COSMINO AG jetzt seit knapp 26 Jahren und haben viele Entwicklungstrends wie Statistische Prozesskontrolle, OEE-Erfassung oder auch den Fortschritt in der Automatisierung direkt miterlebt und mitunterstützt. Jetzt rollt unter dem Leitwort Industrie 4.0 eine neue Entwicklungswelle auf uns zu. Ist Industrie 4.0 vergleichbar oder reden wir tatsächlich von einer vierten industriellen Revolution? Antwort Frank Egersdörfer: Man muss zunächst unterscheiden, auf was sich die industrielle Revolution bezieht. In Bezug auf IT-Werkzeuge kann man eher von einer Revolution sprechen, da althergebrachte Datenverwaltungswerkzeuge wie beispielsweise relationale Datenbanken, mit Industrie 4.0 nicht mehr ausreichen werden. Auf die Produktion bezogen glaube ich weniger, dass es eine Revolution geben wird, sondern eher eine Evolution. Industrie 4.0 ist auch kein Hype mehr, sondern ein unumkehrbarer Trend, der sich von oben nach unten durch alle Lieferketten zieht, von den OEMs der Automobilindustrie bis runter zum kleinsten Lieferanten. Alle Unternehmen müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sie ihre Produktion einem geänderten Abrufverhalten in der Supply Chain anpassen können. Das ist die eigentliche Herausforderung und weniger Thema der IT-Werkzeuge, sondern vor allen Dingen der Organisation, also der Menschen. Wird sich die Fertigung im Zeitalter von Industrie 4.0 selbstständig ohne den Menschen steuern? Antwort: Nein, definitiv nicht. Der Mensch erhält leistungsfähige Navigationshilfen, um Produkte, Bauteile oder Warenträger optimal durch die Produktion zu bewegen - intelligente Echtzeit-Navigationsmodule sozusagen, die den Menschen unterstützen, aber nicht ersetzen. Was müssen Fertigungsunternehmen jetzt tun, um im Zuge von Industrie 4.0 nicht auf der Strecke zu bleiben? Antwort: Also erstmal Ruhe bewahren. (Lacht herzhaft). Der erste Punkt ist sicherlich, festzustellen, wo das Unternehmen eigentlich steht und wie es funktioniert. Gerade viele Mittelständler sind heute ja sehr erfolgreich in der Art und Weise, wie sie organisiert sind. Aber sie funktionieren oftmals abhängig von einzelnen hochqualifizierten Menschen in dieser Organisation, was ein Risiko darstellt. Und sie funktionieren in einer bestimmten Anforderungs- und Liefersituation. Und gerade hier wird man sich mit Industrie 4.0 auf kürzere Lieferfristen, kleinere Abrufmengen etc. einstellen müssen. Unternehmen werden sich dahin entwickeln müssen, einzelne Produkte Just in Sequenz liefern zu können. Hier ist zunächst einmal die Entwicklung der Organisation, also der Menschen gefragt. Im ersten Schritt reicht dafür eine Ist-Aufnahme in Form von Daten und Fakten über die Produktion, wie Vorgabezeiten, Arbeitspläne, die tatsächlichen Fähigkeiten der Maschinen, Verfügbarkeitswerte und so weiter. Und dann folgt der schrittweise Ausbau der Intelligenz in der Produktion, also der IT: Steuerungen, Middleware, bis hin zu Reporting- und Kennzahlenmanagementsystemen. Wichtig ist, nicht alles auf einmal zu wollen. Und wie lange wird es noch dauern, bis die vierte industrielle Revolution vollständig in den Fertigungshallen angekommen ist? Antwort: Es weiß noch keiner, wann und in welcher Form Industrie 4.0 beginnt. Ich bin sogar sicher, dass das, was wir heute unter Industrie 4.0 verstehen, in 5 Jahren wieder einen anderen Namen bekommt. Aber der eigentliche Trend ist unumkehrbar - und auch die Veränderung der Produktionsinfrastrukturen hat längst begonnen. Ausgelöst durch die Förderung der Bundesregierung und der ganzen Aufmerksamkeit, die das Thema Industrie 4.0 bei den Medien und Verbänden hat, ist jedem Unternehmen mittlerweile klar, dass es sich in Richtung Industrie 4.0 entwickeln muss. Ob die Vorstellung die wir heute von Industrie 4.0 haben eintrifft, weiß ich nicht. In den Neunzigern war jeder Automobilzulieferer dazu verpflichtet statistische Prozesskontrolle (SPC) zu machen, um die Produktqualität zu verbessern. Wer nicht mitmachte war knallhart aus dem Geschäft. Und dies hat dazu geführt, dass man auch an Maschinen, die man überhaupt nicht regeln konnte Regelkarten gehängt hat. Man wollte den Anforderungen der Auditoren entsprechen und hat das Ganze auch noch „Showprogramm for Customer“ genannt. Jetzt zehn Jahre später gibt es SPC immer noch, aber nur noch dort wo der Mitarbeiter wirklich mit einer Regelkarte den Prozess regeln kann. Und ich glaube wir werden auch bei Industrie 4.0 vom Revolutionsgedanken bald zum Evolutionsgedanken zurückfallen. Vielen Dank
Frank EgersdörferFrank Egersdörfer ist Mitgründer und Vorstands-vorsitzender der COSMINO AG. In seiner Tätigkeit als Key Account für zahlreiche Kunden kennt er auch die aktuellen Herausforderungen des produzierenden Gewerbes und spricht diese im Gespräch mit Interessenten und anderen Kunden offen an.

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